Männervesper

Unter dem Dreiklang:

 
miteinander ins Gespräch kommen

gemeinsam essen

Neues hören und besprechen

 

wollen wir Gelegenheit geben, Gemeinschaft zu erleben und neue
Bekanntschaften zu entwickeln.

 

Treffen: Viermal im Jahr

Mittwochs 18.30 bis 21 Uhr

Ort: Nebenzimmer der Stettenfelsgaststätte

Unkostenbeitrag: 9 € (inclusive Vesper),

Getränke werden von jedem Teilnehmer direkt bezahlt.

 

Kontaktperson:

Emil Weinert, Donnbronn, Tel. 07131-70448

Jahresprogramm für 2017

Evangelische Kirchengemeinde
Untergruppenbach

 

 

Männervesper

 

4-mal im Jahr, mittwochs

von 18:30 Uhr bis ca. 21 Uhr

im Nebenzimmer des

Restaurants Stettenfels

Untergruppenbach

Stettenfelshalle

Mit dem Männervesper soll weiterhin Gele­genheit geboten werden, besonders die Situation des Mannes im heutigen Zusam­menleben zu bedenken.

 

Als Dreiklang werden diese Abende gestaltet:

Ø       miteinander essen / vespern

Ø       miteinander Neues hören

Ø       miteinander ins Gespräch kommen

 

Dabei soll Gelegenheit gegeben sein:

Ø     Gemeinschaft zu erfahren

Ø     sich auszutauschen

Ø     Bekanntschaften zu vertiefen

 

Alle Männer – gleich welchen Alters – sind zu diesen Abenden herzlich eingeladen.

 

 

 

 

Ablauf des Abends:

Beginn 18:30 Uhr

Ø     Gespräche an den Tischen

Ø     Vesper

Ø     Themenreferat

Ø     Gespräche an den Tischen

Ende ca. 21 Uhr

im Nebenzimmer des Restaurants Stettenfels

 

 

 

Zur Deckung der Kosten (inklusive Vesper) erbitten wir einen Beitrag von 9.- €.

Getränke werden von jedem Teilnehmer direkt bezahlt.

 

 

 

 

Jahresprogramm 2017

 

18.02.  Deutsche Seemannsmission und Airport- Seelsorge.

Referent: Otto Rapp, Seemannspastor i.R. , Stuttgart

 

26.04.    Braucht Deutschland Sozialverbände? - Aus der Arbeit des VdK

Referent: N.N.

 

4.10.       Aktuelle Politik im Nahen Osten

Referent: Matthias Hofmann, Orientalist, Kirchentellinsfurt.

 

15.11.      Wie gefährlich ist die Nuklearenergie wirklich? Betrieb- Rückbau- Zwischenlager - Endlager

Referent: Uwe Mundt, ehemaliger GKN-Pressesprecher, Neckarwestheim.

 

Männervesper spezial:

5.07.        Gemeinschaftsschule Untergruppenbach

Thema: Schulpolitik - Rundgang

mit Herrn Markus Nutz, Schulleiter.

Treffpunkt am Schuleingang

Bewirtung:  8.-€

 

 

 

 

 

 

Bericht vom Männervesper am 15. Nov. 2017 - Kernenergie

Männervesper: Nuklearenergie –

Rückbau  und Endlagerung risikobehaftet

 

Wie gefährlich ist die Nuklearenergie wirklich?“ Dieses Thema wurde bei einer  Männervesper-Veranstaltung von Teilnehmern gewünscht. Im Vorfeld gab es schon eine Befürchtung, das Gefahrenpotential der Kernenergie könne glatt weggebügelt werden, weil  als Referent Uwe Mundt eingeladen war, der – schon länger im Ruhestand – 25 Jahre als Pressesprecher des Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) fungierte. Allerdings lag es nahe, sich mit dem benachbarten GKN zu befassen, das uns stets mit einer Dampffahne grüßt, wo jedoch nach der 2011 erfolgten Abschaltung von Block 1, nach 35jähriger Laufzeit, keine Ansprechpartner mehr erreichbar sind.

Uwe Mundt erklärte eingangs die Funktionsweise eines Kernkraftwerks und meinte, dass die „Höllenmaschine“ im Grunde nicht viel anders ist als ein konventionelles Kraftwerk, lediglich im Reaktordruckbehälter durch Uranspaltung Energie produzierend mittels Brennelemente, die alljährlich zu einem Drittel ausgetauscht werden. Atomkraftwerke seien schließlich entstanden unter dem Aspekt einer preiswerten, sicheren und emissionsfreien Stromerzeugung. Die nuklearen Unfälle, die es gegeben habe, hätten vergleichsweise zu einer Naturkatastrophe nur sehr wenige Opfer gebracht, die an den Folgen der radioaktiven Strahlung gestorben seien, meinte Mundt. Für den GAU von Fukushima 2011 sei ja in erster Linie Tsunami und Erdbeben schuld gewesen.

Auch für Mundt ist der Ausstieg Deutschlands aus der Kernkraftnutzung unumkehrbar, ebenso wie die Energiewende, die jedoch daran kranke, dass die erneuerbaren Energien Sonnen- und Windkraft nicht auskommen ohne Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke, die dem deutschen Klimaziel entgegenstehen. Überdies sei Deutschland im europäischen Energieverbund eng verzahnt mit dem Nachbarland Frankreich, das drei Viertel seines Stroms aus Kernkraftwerken beziehe und darin kein großes Problem sehe, genauso wenig wie die USA, die den Atomstromsektor noch ausbauen.

Einig war man sich, dass das Hauptproblem der Atomwirtschaft die Endlagerung für hochradioaktive Abfälle ist. Mundt bedauerte, dass man nicht an dem 200 Millionen Jahre alten „unvernetzten“ Salzstock von Gorleben mit 1000 m tiefen Lagerstätten festgehalten habe. Die Absicherung für eine Halbwertszeit von einer Million Jahre sei aus weltgeologischer Sicht unfassbar. Die vermeintlich billige Zwischenlösung in der Grube Asse habe sich ja nach deren Havarie als Rohrkrepierer erwiesen, doch habe die Politik es offenbar nicht eilig, die 125 000 Fässer mit Atommüll herauszuholen.

Da man mit einem betriebsbereiten Endlager aller frühestens ab 2050 rechnen könne, sei nun mal für das GKN ein Zwischenlager im Steinbruch von Neckarwestheim vonnöten, wo 151 Stellplätze für Behälter mit Brennelementen zur Verfügung stehen, so Mundt. Davon werden infolge des vorzeitigen Ausstiegs aus der Kernenergie 125 Plätze für die Zwischenlagerung der Brennelemente aus den beiden Neckarwestheimer Kraftwerksblöcken benötigt, sodass noch – wie es derzeit auf dem Wasserweg geschieht – 15 Castoren mit verbrauchten Brennelementen aus dem 2008 abgeschalteten Kernkraftwerk Obrigheim aufgenommen werden können.

Abgesehen von den Restrisiken, die mit dem Betrieb eines Kernkraftwerks verbunden sind und überhaupt der ungeklärten Endlagerproblematik ist es mit der Stilllegung noch nicht getan. In der jahrelangen Nachkühlphase ist das AKW noch aktiv, und der nicht unproblematische Rückbau erstreckt sich über 10 bis 15 Jahre, so dass wir auch nach Abschaltung von GKN-Block 2 im Jahre 2021 noch jahrzehntelang mit dem Kernkraftwerkstandort Neckarwestheim leben müssen.    (hs)

Bericht vom Männervesper am 4. Oktober 2017

Männervesper: Orientalische Kultur

lässt sich nur langfristig verändern

 

Die „aktuelle Politik im Nahen Osten“ – so  das Thema des Männervespers – begegnet uns fast täglich in den Schlagzeilen. Wir kommen nicht darum herum, uns damit auseinanderzusetzen.

Zu Beginn schilderte Emil Weinert, vor über zehn Jahren der Initiator der Männervesper-Reihe, eigene Eindrücke von seinem ersten Aufenthalt im Orient, als er nach seiner Meisterprüfung als Sattler, Polsterer und Dekorateur als Freiwilliger für  YMCA 1959/61 in ein Flüchtlingslager mit 40 000 Palästinensern in Jordanien an der israelischen Grenze kam und unvorbereitet mit orientalischen Sitten und Gebräuchen konfrontiert wurde. Immerhin hatte er hier eine Reihe von Flüchtlingen handwerklich so ausbilden können, dass sie ihren Lebensunterhalt anderswo verdienen konnten. Weitere orientalische Erfahrungen sammelte Weinert später, inzwischen Diakon, bei jahrelangen Einsätzen in Marokko.

Der Referent des Abends, der studierte Orientalist Matthias Hofmann aus Kirchentellinsfurt,  bekräftigte die Andersartigkeit orientalischer Kultur und Gesellschaft. Man dürfe nicht davon ausgehen, dass am europäischen Wesen die Welt genese, erst recht nicht die Völker in den islamischen Ländern. Hofmann, Oberstleutnant der Reserve, war neun Jahre lang interkultureller Einsatzberater der Bundeswehr in Afghanistan, mit zwei halbjährigen Aufenthalten dort, und ist u.a. seit 2007 gesellschaftspolitischer Analyst der Bundeswehr für den orientalischen Raum.

Tunesien, wo der „arabische Frühling“ seinen Anfang nahm und das heute als eine Art Musterland der Demokratie in den islamischen Ländern gilt, habe zwar eine moderne Verfassung, doch diese sei für die meisten Tunesier weit weg von ihrer bisherigen Kultur. Angesichts der anstehenden politischen Veränderungen hielten sich viele verstärkt an traditionelle Werte mit Hinwendung zu konservativer Religionsauffassung, konstatierte Hofmann. Auch in Ägypten, wo die Militärherrschaft sowohl die demokratische Aufbruchstimmung wie die Sozialstrukturen der Muslimbrüderschaft zunichte gemacht habe, bestehe ein latenter Konflikt zwischen liberalem Gedankengut und radikalen islamistischen Kräfte – mit offenem Ausgang.

Die gewaltsame Beseitigung der Diktatoren in den arabischen Ländern hat ihnen nach Hofmanns Ansicht kein Glück gebracht, eher mehr Armut, Elend und Chaos. So sei das ehemals wohlhabende Libyen nach den Nato-Angriffen zu einem desolaten Staat geworden mit drei feindseligen Territorialherrschaften, wo der Sklavenmarkt mit Flüchtlingen und das Schlepperunwesen blühe. Afghanistan an sei nach zwölfjährigen Befriedungsversuchen unsicherer denn je. Im syrischen Bürgerkrieg kämpften 19 größere und 1200 kleine Rebellengruppen, von denen keine vernünftige staatliche Ordnung zu erwarten sei, da noch am ehesten vom  Assad-Regime bei allen verheerenden Menschenrechtsverletzungen.

In den diversen Krisengebieten des Nahen Ostens streiten laut Hofmann zu viele Mächte mit gegensätzlichen Interessen um Einfluss, so Saudi-Arabien, Iran und die Türkei, aber auch Russland und die USA nebst Nato. Gerade im Irak eskaliere die alte Feindschaft zwischen Schiiten und Sunniten, aus deren Ideologie sich ja auch der Islamische Staat speist. Das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak berge einen neuen Konfliktherd, indem die Kurden wohl den Kürzeren ziehen. Die verbalen Aggressionen zwischen der Türkei und insbesondere  Deutschland bewertete  Hofmann eher als Scheingefechte, denn auch für die Bundesregierung sei die Türkei als Wirtschaftsmarkt und politisch-militärischer  Partner im Nahen Osten viel zu wichtig, um ihn vollends zu verprellen.   (hs)

 

Bericht vom Männervesper-Spezial im Juli 2017

„Männervesper“ informierte sich

in der und über die Stettenfelsschule

 

Die Stettenfelsschule ist ein Herzstück der Gemeinde Untergruppenbach – doch für Außenstehende als neue Gemeinschaftsschule nicht so klar einzuordnen. Das „Männervesper spezial“ der Kirchengemeinde war eine gute Gelegenheit, sich über diese neue Schulform und überhaupt über die aktuelle Schulpolitik zu informieren. Dankenswerterweise hatte sich Schulleiter Markus Nutz bereit erklärt, die Schultore auch am Mittwochabend zu öffnen, durch das Schulgebäude zu führen und sich für Fragen und Antworten zur Verfügung zu stellen. Lehrer Achim Heyer sorgte überdies mit Schülern seiner Klasse 8b, unterstützt von engagierten Elternvertreterinnen, in der modernen, großzügigen Mensa – auch Aula – für eine „anständige“ Bewirtung.

Der in gelber Signalfarbe prangende dominante neue Schulneubau bzw. -anbau hat überhaupt nur noch wenig mit für Ältere gewohnten Schulgebäuden zu tun. Da gibt es im ersten Obergeschoss einen fachgerechten Biologieraum (mit interaktivem Whiteboard) und im 2. OG einen kombinierten Chemie- und Physikraum in bester Ausstattung für naturwissenschaftliche Versuche für jeden Schüler. Flankiert werden diese Fachräume von jeweils zwei zeitgemäß ausgestatteten Klassenräumen mit individuellen Lernbüros an den Wandseiten. Dass das alles mehr als fünf Millionen Euro kostete, lässt sich denken, aber dass der nur wenig mehr als 20 Jahre alte Altneubau für eine „sparsame“ Sanierung über zwei Millionen verschlingt, ist überraschend, aber einleuchtend, wenn man die Auflagen für Inklusion (barrierefrei) und Brandschutz berücksichtigt, ganz abgesehen von den notwendig gewordenen  und nur eingeschränkt auszuführenden Reparaturmaßnehmen an Außenfassaden und Fensteranlagen. 

Untergruppenbach  kann jedenfalls stolz sein auf seinen Standort als Gemeinschaftsschule – mit derzeit 361 Schülern (auch aus Nachbargemeinden) und 390 im nächsten Schuljahr, wenn der Schulzug bis ins 9. Schuljahr geht. Eine Gemeinschaftsschule ist konzipiert für Schüler unterschiedlicher Leistungsfähigkeiten, die demgemäß auch gegebenenfalls in drei Stufen und Module gegliederte unterschiedliche Aufgabenfelder (und individuelle Unterstützung) erhalten. Sie können im 9. oder 10. Schuljahr den Hauptschulabschluss machen, im 10. Schuljahr den Realschulabschluss oder die Befähigung für eine weiterführende gymnasiale Schulform erhalten. Das Schulkonzept der Gemeinschaftsschule war – so Nutz – „fällig“ geworden, als gut die Hälfte der Schüler das Gymnasium anstrebte und die Hauptschule mehr und mehr abgelehnt und zum Auslaufmodell wurde.

So präsentiert sich heute die Stettenfelsschule als zukunftsfähige Schulstätte für vielfältige Möglichkeiten von kooperativem und individuellem Lernen gemäß Lernfortschritten, als weitgehender Ganztagesschule mit Hausaufgabenbetreuung und zusätzlichen Angeboten. Dazu gehört ein dieser Schulform verpflichteter „hoch engagierter Lehrkörper“, zu dem neben Grund- und Hauptschullehrern auch Realschul- und neuerdings selbst Gymnasiallehrern gehören.   (hs)

Bericht vom Männervesper April 2017: Brauchen wir Sozialverbände?

Sozialverbände sind notwendig

als Lobby für soziale Gerechtigkeit

 

Seit mehr als 65 Jahren steht der Sozialverband VdK als Interessenvertretung für soziale Gerechtigkeit und für eine solidarische Gesellschaft. Diese Überzeugung vertrat vehement Volker Spörle vom VDK-Ortsverein Eppingen beim Männervesper der Kirchengemeinde in der Stettenfels-Gaststätte. 1950 als „Verband der Kriegsgeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschland e.V.“ gegründet ist der VdK längst über das K im Namen hinausgewachsen und hat sich allen sozial Benachteiligten in der Gesellschaft zugewandt. Zum Sozialverband VdK gehören heute bundesweit 1,8 Millionen Mitglieder – mit noch steigender Tendenz.  In Baden-Württemberg gibt es 53 Kreisverbände mit 1200 Ortsvereinen, in denen sich 8000 Ehrenamtliche engagieren. Der VdK-Kreisverband Heilbronn, zu dem auch der Ortsverein Untergruppenbach gehört, zählt insgesamt 7000 Mitglieder.

Spörle hat für sein soziales Engagement beim VdK das geeignete Betätigungsfeld gefunden und sich insbesondere in die sozialrechtliche Bearbeitung und Vertretung eingearbeitet. Anhand zahlreicher Beispiele berichtete er, wie befriedigend es sei, Hilfe leisten zu können, etwa bei der Unterstützung von Anträgen beim Versorgungs- oder Sozialamt, wenn es um abgelehnte Pflegeversicherungsleistungen, um Anspruch auf Krankengeld oder auf Rehabilitation, um Anerkennung einer Behinderung, um Erwerbsminderung oder auf Leistungen der Grundsicherung geht oder generell um Patienten- und Wohnberatung. Zum zentralen Mitgliederservice des VdK gehöre auch der Sozialrechtsschutz.

„Ein Sozialstaat braucht Sozialverbände, damit alle das bekommen, was ihnen zusteht“, formulierte Spörle. Darüber hinaus könne und müsse ein Sozialverband – wie der VdK als größter in Deutschland – präventiv sozialorientierte Lobbyarbeit leisten bei den politischen und institutionellen Entscheidungsgremien, so für auskömmliche Renten im Kampf gegen Altersarmut und für bezahlbare Leistungen im Falle von Krankheit und Pflege.

An diesem Abend würdigte auch Gemeindepfarrerin Birgit Haufler-Lingoth das Vorbereitungsteam des Männervespers, speziell dessen Sprecher Emil Weinert, für zehnjähriges verdienstvolles Wirken im Namen der Kirchengemeinde.    (hs)  

 

Bericht vom Männervesper am 8. Februar 2017: Seemannsmission und Airport-Seelsorge

Männervesper: Ein Seemnannspastor

und Airport-Seelsorger berichtet

 

Seefahrt – Airport. Das weckt die Sehnsucht nach der großen weiten Welt. Etwas für Männer und somit auch für das „Männervesper“, bei dem Otto Rapp aus Stuttgart über seine Zeit als Seemannspastor und Fughafenseelsorger anschaulich berichtete. 18 Jahre lang war Rapp, gelernter Diakon („die Allzweckwaffe der Kirche“), mit seiner Familie als Leiter der seit 1962 bestehenden Seemannsmission in Mäntyluoto, ein seewärtiger Hafen einer kleinen Siedlung an der südwestfinnischen Küste an der Mündung eines Flusses in den Bottnischen Meerbusen der Ostsee, ein wichtiger Exporthafen für finnische Forstprodukte und Kupfer sowie Containerumschlag. Früher lagen die Küstenschiffe und „großen Pötte“ hier oft tagelang vor Anker, haben zunehmend aber nur noch wenige Stunden Liegezeit. Da gilt es, mit den Seeleuten – meist eine international gemischte Crew – unkonventionell Kontakt zu finden.

Rapp, der selbst auch in der Vorbereitung monatelang als Seemannnspastor an Bord von Schiffen war, weiß um das Leben der Seeleute, das sich mehr oder weniger um Arbeit, Essen und Schlaf dreht, ein entbehrungsreiches Leben, oft mehrere Monate weg von zuhause und Familie, immer nur die gleichen Gesichter sehend. Da sind sie froh über Abwechslung auch an einem fremden Ort, wenn sie Gelegenheit haben, mit einer vertrauenswürdigen Person offen über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen, persönliche und geistliche Beratung zu finden. Da ist der „Himmelskomiker“ und „Seelenheini“ schnell ein geschätzter Partner, der im internationalen Seemannsclub neben Gesprächen allen möglichen Service bieten kann, Verbindung der Seemänner zu den Lieben in der Heimat oder eine Begleitung in die nächste 20 km entfernte Stadt. Rupp: „Das ist interkultureller und interreligiöser Dienst, da muss man mobil und flexibel sein, entsprechend den Bedingungen an Bord.“

Die Deutsche Seemannsmission geht zurück auf die von dem Hamburger Pastor Johann Hinrich Wichern gegründete „Innere Mission“. Getragen von der EKD und ihren Glied- bzw. Landeskirchen ist die über 150 Jahre alte Deutsche Seemannsmission in 35 Hafenstädten der Welt vertreten und zählt 700 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter. Ein ähnlicher missionarisch-diakonischer Dienst stellt die Flughafenseelsorge dar, auf dem Stuttgarter Flughafen etabliert seit 1998 als ökumenische Einrichtung der Evangelischen Landeskirche Württemberg und der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Auch hier geht es um Toleranz und Völkerverständigung, um Unterstützung von Hilfe suchenden Menschen, unabhängig von nationaler, kultureller oder religiöser Herkunft. „In unserem Andachtsraum rollten auch Muslime ihre Gebetsteppiche aus“, berichtete Rapp. Da gibt es Passagiere, die sich im Getümmel zwischen Abflug und Ankunft nicht zurecht finden, Menschen, die in einer  Transit-Situation verzweifeln und andere, die in der Hektik eine Oase der Ruhe, Besinnung oder spirituelle Einkehr suchen. Das gilt auch für Airport- und Airways-Bedienstete. „Im Dienst christlicher Nächstenliebe sind wir offen für die Probleme und Anliegen von Menschen, die der Zuwendung bedürfen“, so die Devise von Otto Rapp, der auch ein leidenschaftlicher Imker ist und alles über das (soziale) Bienen-Leben weißt – vielleicht einmal Thema bei einem Männervesper.   

Zum guten Schluss: Zehn Jahre Männervesper der Evangelischen Kirchengemeinde – 41 Männervesper im Nebenzimmer der Stettenfels-Gaststätte. Für diese Gastfreundschaft und gute Bewirtung dankte Männervesper-Begründer Emil Weinert dem Restaurant-Chef Bernhard Haberzettl, auch mit Gutscheinen für auswärtige Frühstücke für ihn und sein Team.            (hs)   

Bericht vom Männervesper am 9. November 2016 - Zivilcourage

Männervesper: Schau hin und handle richtig

 

9. November 2016: Männervesper – just an dem Tag, als die schockierende Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten bekannt wurde. Der 9. November ist zudem auch ein historisches Datum für Deutschland, so Ausrufung der Republik 1918, versuchter Hitler-Putsch 1923, Progrom-Nacht 1938, Mauerfall 1989. Darauf wies Moderator Kurt Pöhler vom Vorbereitungsteam hin, und auch, dass zum Start des Männervesper vor knapp zehn Jahren der gleiche Referent eingeladen war: Stephan Burghardt. Damals zum Thema „Mann sein heute – zwischen Beruf, Familie und Freizeit“, diesmal über „Zivilcourage – schau hin und handle richtig“.

Dieser Imperativ, die Befehlsform, ist gerade in diesem auch als „Jahr der Inklusion“ und „Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufenen Jahr von spezifischem erzieherischem Charakter, meinte Burghardt, gelernter Diakon und Sozialarbeiter und langjähriger  Männerreferent beim Evang. Männer-Netzwerk Württemberg in Stuttgart sowie landeskirchlichen Ausschuss für den Kirchentag 2017. In lebendiger Weise machte er lebensnahe Ausführungen zur Zivilcourage. Gerade in unserer individualisierten Gesellschaft komme es darauf an, sozial-gesellschaftliche Verantwortung zu zeigen und gegebenenfalls entschieden handeln, damit es nicht zu einem weiteren Werteverfall komme und Destruktion zum Prinzip werde.

Man müsse auch für Umstände, die man nicht zu verantworten und auf die man keinen Einfluss habe, mit Ethik und Moral einstehen. „Wir haben nicht entschieden, dass im letzten Jahr eine Million Flüchtlinge und Zuwanderer nach Deutschland gekommen sind“, erklärte Burghardt. „Aber wir leben nicht in einer Wagenburg, sondern  in einer offenen globalisierten Gesellschaft, und kommen nicht umhin,  denen, die vor Krieg, Verfolgung, Hunger oder klimabedingten Daseinsnöten flüchten, etwas von unserem Wohlstand abzugeben,“ so Burghardt. Das sei auch der christlichen Nächstenliebe geschuldet.

Burghardt wies darauf hin, dass auch in unserer Landesverfassung gesellschaftspolitische Wertvorstellungen angemahnt werden, und er erinnerte an das Wort von Ministerpräsident Kretschmann, „jedes Gesetz hat einen Buchstaben, aber auch einen Geist“. Es gelte, das Gemeininteresse zu sehen, nicht nur den eigenen egoistischen Vorteil – Solidarität statt soziale Verrohung. Bei misslichen Vorfällen  wegzusehen, sei feige, wie auch überhaupt unterlassene Hilfeleistung strafbar sei. Man könne durchaus schuldig werden, für das, was man nicht getan hat. Burghardt sinngemäß: Wenn wir nicht Mut und Verantwortung praktizieren, sind negative Konsequenzen für unsere Gesellschaftsordnung unausweichlich.       (hs)

Bericht vom Männervesper am 5. Okt. 2016

Männervesper:  „Gute-Laune-Abend“ – mit Strom

 

Ein Leben ohne Elektrizität ist heute unvorstellbar. Von einer funktionierenden Energieversorgung hängt unsere Zivilisation ab. Grund genug, um sich beim „Männervesper“ Gedanken über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Energieversorgung zu machen. Als kompetenter Referent eingeladen war Frank Schupp, Prokurist der ZEAG, der seine Berufsausbildung bei der damaligen EVS in Heilbronn begann und dort als Technischer Betriebswirt u.a. in der Installation der Fernwärme für Großkunden praktische Erfahrung sammeln konnte, ehe er vor elf Jahren zur ZEAG kam und hier in leitenden Positionen tätig ist.

Die ZEAG Energie AG wurde Ende 1888 in Heilbronn gegründet als Württembergisches Portland-Cement-Werk zu Lauffen am Neckar und war schon früh ein Elektrizitätspionier: Vor 125 Jahren mit der spektakulären weltweit ersten Drehstromübertragung über eine Strecke von 166 km von Lauffen nach Frankfurt, und 1892 hat die ZEAG Heilbronn weltweit als erste Stadt mit Drehstrom versorgt. 1922 übernahm die Stadt Heilbronn die Aktienmehrheit der ZEAG und veräußerte sie 2003 an die Energie-Versorgung Baden-Württemberg (EnBW).

Die ZEAG versteht sich heute laut Schupp als regional verankerter Energieversorger sowie Betreiber vorwiegend im regenerativen Bereich. Seit fünf Jahren investiert die ZEAG in Windkraft und erzeugt im Windpark Harthäuser Wald – dem größten in Baden-Württemberg – mit14 Windenergieanlagen seit einen Jahr Strom für 32 000 Haushalte. Die in Hardthausen entstandene BürgerGenossenschaft sieht Schupp als Zukunftsmodell. Über ein Dutzend solcher Betreibergesellschaften hat die ZEAG inzwischen mit Kommunen- und Bürgerbeteiligung begründet.

In Heilbronn in den Südstadthöfen um den ehemaligen Südbahnhof empfiehlt sich die ZEAG mit modernster Glasfasertechnik als Kommunikationsdienstleister und hat eine Fernwärmeversorgung über eine  Energiezentrale mit  Blockheizkraftwerken und Brennwertkesseln für ein Studentenwohnheim und ein Ärztehaus installiert. Auch das künftige Heilbronner Vorzeige-Stadtquarier Neckarbogen soll von der ZEAG energie- und kommunikationstechnisch erschlossen werden. Die ZEAG, die ja auch beim Untergruppenbacher Straßenfest seit Jahren präsent ist, hat 2014 mit der Gemeinde einen Konzessions- und Wegenetzvertrag geschlossen.

Schupp informierte auch über viele Fragen der aktuellen Energiepolitik und erläuterte Einzelheiten der Strompreisbildung (derzeit 28,73 Cent pro kWh im Privathaushalt). Trotz des anspruchsvollen Thema entwickelte sich ein „Gute-Laune-Abend“, dank des lockeren Vortrags- und Diskussionsstils des Referenten sowie des aufgeschlossenen und kenntnisreichen Publikums. So auch mit munteren Wortspielen, wie etwa im Dialog: „Wie wir sparen können, haben wir nicht gehört.“ „Weil wir ja verdienen wollen, um den Kunden eine verlässliche und zukunftsfähige Stromversorgung garantieren zu können.“ Bis 2020 will die ZEAG über die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien bereit stellen und sich in der Region als maßgeblicher Partner für energieeffiziente Lösungen, auch in der Wohnungswirtschaft und in der kommunalen Beleuchtung, etablieren.   (hs)

Bericht vom Männervesper Spezial am 13.Juli 2016 auf dem Hardthof

Das Männervesper Spezial am 13. Juli 2016 war wieder eine außergewöhnliche Veranstaltung. Es waren 27 Männer, die sich im Hardthof der Familie Langer versammelt hatten. Von den Pferdekoppeln auf dem Hügel hat man einen wunderschönen Blick auf die Burg Stettenfels und den alten Dorfkern von Untergruppenbach. Herr Siegfried Kabisch, der die Moderation des Abends übernommen hatte, gab zur Begrüßung einen launigen Fachvortrag über das Pferd als solches. Danach begrüßte die Männer die Hofherrin, Turnierreiterin und Sprecherin des Freundeskreises BAREKA, Frau Susanne Langer. Zum „Pferd“ fügte sie noch einen Spruch unter Reitern hinzu: Das Pferd ist nach allen Seiten abschüssig und trachtet nur danach, den Menschen runter zu werfen“. Nun folgte ein Rundgang durch die hellen sauberen Stallungen, die Platz für 4 eigene und 20 Pensionspferde bieten. Manche Boxen haben sogar einen Balkon, wo die Pferde ins Freie treten  und die gegenüber liegende Burg beobachten können. Die Kernstücke des Hardthofes sind die große helle Reithalle und ein Übungsplatz für die Springreiter, der wegen seines gut präparierten Untergrunds auch von Reitern aus der Umgebung gerne genutzt wird. Das Highlight im Stall war zweifellos ein 14 Tage altes Hengstfohlen bei seiner Schimmelmutter. Der Kleine aber war schwarz mit weißer Blesse auf der Stirn. Der wird noch weiß, meinte Frau Langer zuversichtlich.

Mittlerweile hatten fleißige Mitglieder des Freundeskreises BAREKA die Holzkohle zum Glühen gebracht und leckere Salate zu den Würsten zubereitet. So konnte das eigentliche Männervesper seinen Lauf nehmen.

Kaum war die letzte Wurst verspeist, begann der zweite Teil der Veranstaltung, die Vorstellung des Freundeskreises BAREKA e.V. und seiner Entwicklungshilfe-Tätigkeit in Burkina Faso in Westafrika. Zur Einstimmung in die völlig andersartige Materie zeigte Frau Langer einen Filmbericht über die letzte Inspektionsreise von BAREKA zusammen mit dem Förderverein Piela-Bilanka, der in derselben Region Schulprojekte unterstützt. Der Film zeigte eindrucksvoll die schwierigen Lebensbedingungen, unter denen die Menschen am Rande der Sahelzone zurechtkommen müssen. Burkina Faso ist ein Binnenland umgeben von Problemländern wie Niger Mali und Elfenbeinküste. Der Staat zählt zu den 7 ärmsten Ländern der Erde. Sauberes Trinkwasser für Menschen und Tiere ist das höchste Gut auf den Dörfern, die zum großen Teil aus Stroh gedeckten Rundhütten bestehen. Die Frauen im Dorf müssen oft viele Kilometer zu den Wasserstellen zurück legen um Wasser zu holen. Ein Brunnen im Dorf ist daher eine Riesenerleichterung für die Bewohner. So hat sich BAREKA schon früh auf den Bau von Tiefbrunnen konzentriert. Seit 1993 wurden über 90 sogenannte Rohrbrunnen gebaut. Die Brunnen reichen bis zu einer technisch machbaren Tiefe von 70 Metern und werden mit einem Pumpenhebel betrieben. Das erlaubt eine sparsame Wasserentnahme, und das Grundwasser kann ausreichend nachfließen.

 

 

Der Film brachte auch die Freude der Dorfbewohner zum Ausdruck über die neu erschaffene Wasserquelle. Große Dankbarkeit wurde der Delegation bei der Brunneneinweihung entgegengebracht. Als Gastgeschenk gab es in jedem Dorf eine Ziege. Am Ende der Reise konnte die Delegation auf 8 Ziegen im Garten ihrer Pension blicken. Diese wurden an bedürftige Dörfer weiter verteilt.

Nach der Wasserversorgung konnte ein weiteres Grundbedürfnis in Angriff genommen werden. Zur Verbesserung der Hygiene wurden in verschiedenen Dörfern in den letzten Jahren 20 Latrinen gebaut. Nach anfänglichem Zögern werden diese nun gerne genutzt.

Bei jeder Inspektionsreise, erklärte Frau Langer weiter, werden mit den Partnern vor Ort und den Menschen in den Dörfern weitere Projekte besprochen und geplant. Der entscheidende Aspekt dabei ist die Finanzierung. Neben einem gewissen Eigenanteil des Projektträgers, also der Menschen im Dorf, wird versucht, die Hauptfinanzierung durch das deutsche Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe zu bekommen. Das erfordert viel Schreibarbeit (Anträge, Berichte, Abrechnungen etc.) wie Frau Langer erläuterte. Der Beitrag von BAREKA wird durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Catering Service und Verkauf von Batiken aus Burkina Faso erwirtschaftet.

Im Laufe der Zeit hat sich das Engagement von BAREKA in der Provinz Gnagna im Osten von Burkina Faso immer weiter ausgedehnt. Seit langem wird das regionale Buschkrankenhaus unterstützt. Aktuell ist die Anschaffung eines gebrauchten robusten Röntgengerätes geplant. Weiterhin fördert BAREKA den biologischen Anbau und die Vermarktung von Sesam. Ein weiteres Betätigungsfeld war die Aufklärungskampagne zum Thema AIDS und sexuell übertragbaren Krankheiten



Es waren sehr viele Informationen, die uns der Film und Frau Langer, auch auf die anschließend gestellten Fragen geboten haben. Viele in der Männerrunde fanden das Engagement von BAREKA absolut anerkennenswert und unterstützungswürdig.

Mit einem kurzen Schlusskommentar und besonderem Dank an Frau Langer und ihr BAREKA- Team löste Herr Kabisch die Männerrunde auf. [hk]

 

Bericht vom Männervesper Mai 2016: Balkan und Flüchtlingsströme mit MdB Josip Juratovic

Männervesper: Stabiles Europa notwendig

 

Ein Politiker, der durch seine Authentizität überzeugt, ja begeistert. So empfanden die 33 Teilnehmer des Männervespers das Auftreten des Bundestagsabgeordneten Josip Juratovic, der sich auch nach dem offiziellen Ende noch eine gute Stunde Zeit nahm, um mit einem Dutzend verbliebenen Interessierten weiter zu diskutieren. Sein Referat hatte zwar die Balkanstaaten und die Flüchtlingsfrage zum Thema,  doch er zeigte auch fundiertes Wissen und dezidierte Meinung zu anderen akuten Problemkreisen.

Juratovic kam als 14Jähriger aus Kroatien, fühlte sich aber schnell integriert in der Gundelsheimer Jugend, dann in der Audi-Arbeitswelt, auch als Betriebsrat, und fand seine politische Heimat in der SPD, für die er seit 2005 im Bundestag ist, in dieser Legislaturperiode u.a. als Integrationsbeauftragter und Obmann für Globalisierung in der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion sowie als stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages für Südosteuropa.

Exot“ im Parlament sei er nicht wegen seines Migrationshintergrunds, den hätten auch 40 andere Kollegen (entdeckt), sondern als Mechaniker und Fließbandarbeiter: „Da kann ich praktisch-relevante Impulse geben für die politische Umsetzung“. Ansonsten: „Im Herzen bin ich deutscher Verfassungspatriot, im Geiste Europäer.“

Deshalb ist sein vordringliches Ziel ein „stabiles und handlungsfähiges Europa“. Dazu gehört Solidarität, „und nicht nur Geld aus Brüssel holen“. Nach 70 Jahren Frieden in Europa und bewährter repräsentativer Demokratie drohe dieses  erfolgreiche und ausgleichende politische System als Wertegemeinschaft durch das Vordringen von Populisten, Nationalisten und Autokraten zunehmend in Frage gestellt zu werden. Von Bürgern gefühlte Ungerechtigkeiten ließen sich nicht einfach wegerklären. Die Regierenden brauchten Visionen und nicht nur  Reaktionen.

Was die Weltlage anbetrifft, so sieht Juratovic schlimmer als Diktatur das Entstehen von Anarchie und Chaos in zerfallenden Staaten, auch als Folge gesteuerter – mitunter gutgemeinter aber inkonsequenter – „Freiheitskriege“, die korrupte und mafiose Eliten – „Verbrecher“ – an die Macht bringen. Wenn das Vertrauen in eine handlungsfähigen Staat nicht mehr gegeben sei, bleibe der Großteil der Bevölkerung ohne Zukunftsperspektive, „ein Nährboden für die Bildung von Terroristen“.

Das gelte auch für die kriegerisch entstandenen Nachfolgestaaten Jugoslawiens, denen es heute überwiegend schlechter gehe als im Jugoslawien Titos, mit selbstverwalteten Betrieben und als Vorreiter der blockfreien Staaten. Deswegen sei es zu begrüßen, dass seit November 2015 Menschen vom Westbalkan ein Arbeitsvisum beantragen können, wenn sie hier einen tarifgebundenen Vertrag vorweisen. Die allen Westbalkanstaaten 2003 zugesicherte Beitrittsperspektive zur EU sei geknüpft an die Bedingung, dass sie unsere Standards an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit erreichen, „und dafür bedarf es mehr Anreiz und Druck“.

Juratovic verkennt nicht, dass der Flüchtlingsandrang den gesellschaftlichen Zusammenhalt beeinträchtigt. Die meisten Fluchtgründe resultierten aus purer Not,  Angst vor Tod durch Waffen oder Hunger. Da trage „Kerneuropa“ – neben  Deutschland unverzichtbar das angeschlagene Frankreich – hohe Verantwortung. (hs)

Bericht vom Männervesper am 3. Februar 2016 - Islam

Männervesper:  Wie mit Muslimen und dem Islam umgehen?

Mehr als vier Millionen Muslime leben in Deutschland, und von den Flüchtlingen kommen wohl 90 Prozent aus dem islamischen Kulturkreis. Wie soll man hier mit den Muslimen umgehen, und was soll man von dem Islam halten? Mit diesem Fragenkomplex beschäftigte sich das „Männervesper“ der Kirchengemeinde in der Stettenfels-Gaststätte bei einem Rekordbesuch von über 40 Personen. Als Referent eingeladen war Pfarrer i.R. Günter Spengler, der ins einer früheren Heilbronner City-Kirchengemeinde Nikolai laufend Umgang mit Muslimen hatte und mit Imamen der in seiner Parochie liegenden DITIB-Moschee auch immer wieder Religionsgespräche führte.

Gleich zu Anfang stellte Spengler seine Maxime heraus, jedermann mit Respekt zu begegnen, auch wenn er einem noch so anders erscheint. Man sollte auch niemanden auf seine Religionszugehörigkeit reduzieren, denn „wir alle haben mehrere Identitäten“. Es sei verständlich, wenn sich Muslime, die sich als voll integriert betrachten, darüber beklagten,  dass sie in ihrer Person vornehmlich mit den Auswüchsen des Islam konfrontiert würden.

Wenn wir heute die Vorstellung vom Islam hätten, dass er rückständig, unaufgeklärt und extremistisch sei, so sei das nicht vollständig, meinte Spengler. Die sich eigentlich als einheitlich verstehende „Welt des Islam“ sei äußerst vielschichtig; in Nordafrika, Ägypten, in der Türkei, in Arabien und im Nahen Osten ganz anders ausgeprägt als in den asiatischen Staaten Pakistan, Indien, Bangladesch und Indonesien, wo ja die meisten Muslimen lebten.

Man dürfte auch nicht vergessen, so Spengler, es gab einmal ein „goldenes Zeitalter“ des Islam, der sich seit etwa 700 rasant ausgebreitet habe, im Orient und über Nordafrika bis nach Spanien, mit einer kulturellen Blüte in Toledo, Cordoba und Granada, aber auch in Kairo, Jerusalem, Damaskus und vor allem Bagdad, wo man den damals höchsten Stand der Kunst, Medizin und anderer Wissenschaften erreichte und die griechische Philosophie wiederbelebte. Spengler nannte das Jahr 1111, ab dem sich im Islam „das Tor der Vernunft“ geschlossen habe, und seither habe sich der Islam in einem Allmachtsverständnis von Allah zementiert und sich praktisch nicht mehr weiter entwickelt. Mit dem endgültigen Ende des Osmanischen Reichs, in deren Nachfolge 1924 die kemalistische Türkei entstanden sei, habe sich – in einer Leerstelle ohne die Leitlinien von Kalifen und Sultan – unter der Vormacht der westlichen Überlegenheit im Orient und im Islam ein weit verbreitetes Gefühl der Unterdrückung und Minderwertigkeit entwickelt.

Wie Spengler erklärte, bekennt sich der Islam auf der Grundlage der direkt von Gott gekommenen Visionen Mohammeds, niedergelegt in den heiligen Schriften des Koran, und anderer Überlieferungen (Suna) zum Glauben an Allah, dem „Allbarmherzigen“, den alleinigen unfassbaren und allmächtigen Gott, der alle Geschicke vorausbestimmt. In der radikalen Auslegung drohe allen Ungläubigen Vernichtung, Tod und Hölle. Es seien die Salafisten, die seit dem 13. Jahrhundert extrem die Rückkehr zu den Quellen vertreten und sich neuerdings radikalisiert hätten. Für deren Missionierung anfällig seien, neben Konvertiten, insbesondere junge Muslime aus oft wenig religiösen Familien, die sich nach Identität und Wertschätzung sehnten und sich so dem „Islamischen Staat“, für Spengler eine Art Pop-Dschihadismus, anschlössen. Der von dem ultraorthodoxen Wahhabitismus Saudi-Arabiens geprägte IS sei auf eine Re-Islamisierung möglichst der ganzen Welt ausgerichtet.

Spengler stellte heraus, dass wir es in Heilbronn, wo die DITIB-Moscheen unter türkischer Kontrolle stünden, mit einem türkischen Staatsislamismus zu tun haben, der eigentlich dem Extremismus abhold sei. Für Spengler besteht die Hoffnung, dass sich immer mehr muslimische Denker und Gelehrten der Offenheit ihrer Altvorderen besinnen und unter den Herausforderungen der Moderne Grundlagen für einen reformfähigen Islam schaffen, auch wenn es dem Islam an einem absoluten Lehrmeinungsamt fehle.    (hs)

Bericht vom Männervesper November 2015: Schifffahrt

Männervesper:  Seemann auf Frachtschiff  (Abb.: H.-J. Hof)

In jedem Manne steckt wohl eine gewisse Sehnsucht nach dem Meer, nach der Seefahrt. Als Binnenländer hat diesen Traum Hans-Jürgen Hof aus Möckmühl verwirklicht. Beim „Männervesper“ in der Stettenfels-Gaststätte berichtete Hof, wie er als 15Jähriger die Seemanns-Laufbahn einschlug. Hof, der schon als Kind auf der Seckach rumgepaddelt ist, begann als Moses, fuhr als Leichtmatrose, machte die Matrosenprüfung, war Offiziersanwärter. Doch dabei blieb es; er erlernte noch einen bürgerlichen Beruf und ist heute als Rentner in seiner Heimatgemeinde noch aktiv als Stadtführer und als Wanderführer beim Schwäbischen Albverein.

„Als Seemann auf dem Frachtschiff heute und vor 50 Jahren“, so das Thema. Hof konnte nämlich entsprechende Parallelen ziehen, denn in jüngster Zeit hat er mit einem befreundeten Kapitän als Passagier auf einem Containerschiff ähnliche Reisen gemacht wie in seiner aktiven Zeit, so über den Atlantik durch den Panamakanal an der nordamerikanischen Westküste bis Vancouver hinauf.

So ein Schiff, auf dem Hof in den 60er Jahren auf der Hamburg-Amerika-Linie von Hapag – noch vor der Fusion mit Lloyd – fuhr, hatte eine Besatzung von 51 Mann, mit Koch, Bäcker und Metzger. Heute kommt ein vergleichbares Schiff von 170 m Länge mit 18 bis 22 Mann aus, mit einem Küchenchef, hat mehrfache Container-Ladekapazität mit vollelektronischem Stauplan, ein zehnstöckiges Deck statt früher drei Etagen, braucht keine Masten und Takelage, verfügt aber über einen riesigen Maschinenraum und überhaupt modernste Steuerungstechnik statt Rudergänger, GPS statt Funkpeilung. Diese Schiffe werden nicht mehr während der Fahrt laufend gestrichen, sondern kommen alle drei Jahre ins Trockendock.

Der alte „Fahrensmann“ Hof deutete auch die Zukunftsentwicklung in der Container-Schifffahrt an. Die Reedereien, die vielfach in „Billigländer“ ausflaggen, setzen in dem immer härteren Wettbewerb ihre Hoffnungen auf Riesenfrachter mit Boxen für mehr als 10 000 Standardcontainer. Wie Hof darstellte, hat das derzeit größte Containerschiff, die chinesische „Globe“, eine Länge von 400 m mit einer Tragfähigkeit von 19 000 Container und einen Tiefgang von 16 m. Nach Hamburg kam sie nur halb beladen und mit reduziertem Tiefgang. Solche Giganten haben „an Land“ Konsequenzen für noch leistungsfähigere Ladebrückensysteme und in Hamburg – wenn überhaupt möglich – für weitere Elbe-Ausbaggerung.  (hs)

Bericht vom Männervesper September 2015 mit Pfarrer Altvater

 

 

Männervesper: Gott ist das Allerhöchste

 

Gerne war Wolfgang Altvater Pfarrer in Untergruppenbach von 2004 bis 2011: „Es hat mir gut gepasst, so eine offene Kirchengemeinde, wo aber die Menschen noch damit rechnen, dass die Bibel uns was zu sagen hat.“ Gerne nahm Pfarrer Altvater, heute Ruheständler im badischen Adelshofen, die Einladung zum Männervesper wahr, und er wählte sich das Thema selbst aus: „Was wissen wir von Gott?“

„Real wissen wir eigentlich nichts von Gott“, dämpfte Altvater gleich zu Beginn die Erwartungen. Da es in der Themenstellung nicht um Glauben sondern um Wissen gehe, müsse man statt der Religion primär die Philosophie bemühen, also die Beziehung von Mensch zu Gott und nicht von Gott zum Menschen – analytisches statt synthetisches Urteil. Das gebiete die intellektuelle Redlichkeit. Und so stützte sich Pfarrer Altvater auf die Generationen von Philosophen prägende These des mittelalterlichen Scholastikers Anselm von Canterbury (1033-1109) „Gott ist dasjenige, über das Größeres nicht gedacht werden kann.“ Und dieses Allergrößte hat Merkmale, die Begriff und Vorstellung Gott eindeutig ausmachen: allgegenwärtig und allmächtig, unsterblich und ewig. Gott ist und muss sein der Inbegriff von Gutem und Gerechten. So gesehen kann es laut Altvater auch keinen Teufel und keine Hölle geben, also mächtige Gegenspieler eines vollkommenen Gottes. Altvater: „Es gibt keinen rachsüchtigen Gott.“ Nichtsdestoweniger erscheint das Weltgeschehen längst nicht so, wie es sich eigentlich nach göttlichen Maßstäben entwickeln sollte.

Auch wenn wir von Gott nicht alles wissen können, denn von seiner Existenz gibt es eigentlich keine handfesten Beweise, ist Gott uns nicht fremd, denn er offenbart sich immer wieder bestimmten Personen, so Altvater. Hier kommt natürlich Jesus Christus die zentrale Rolle zu, so auch als göttlicher Interpret seiner Relativierung menschlichen Seins: „Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

Die 36 Teilnehmer, nicht nur „Kirchgänger“, die sich auch freuten, dass trotz des eigentlich wegen Urlaub geschlossenen Stettenfels-Restaurants das Männervesper im Nebenraum doch zustande kam, konnten sich bereichert fühlen an „existentiellem Wissen“ und verstanden auch die Gott-Analogie im Schlusswort von Emil Weinert, der einen Liedvers von Matthias Claudius' zitierte: „Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.“

Bericht vom Männervesper mit Förster Kuebart

Männervesper mit Förster: Vom Zauber der Bäume

„Vom Zauber der Bäume. . . “ So das Thema des Männervesper der Ev. Kirchengemeinde am 15. Juli. Der Untergruppenbacher Revierförster Jörg Kuebart verstand es, bei einem kurzen aber intensiven sommerabendlichen Waldspaziergang mit zwei Dutzend Männern ab der Lutz-Sigel-Hütte den „Zauber der Bäume“ richtig anschaulich werden zu lassen. „Bäume sind irgendwie wie Menschen“, so Kuerbarts These. Beide müssen gut verwurzelt sein, um gut zu gedeihen und auch eine ansehnliche Krone auszubilden. Der Baum und überhaupt der Wald kann dem Menschen Lehrmeister sein. Eine Fichte auf Nässeboden ist in Gefahr, bei einem kräftigen Sturm umzukippen, weil sie keine festen Wurzen fassen kann. Jede Baumart braucht ihren geeigneten Standort. Ein nährreicher Boden ermöglicht stattlichen Wuchs, wenngleich auch die Natur zu vielem fähig ist, so dass auch aus einer Steinritze ein – wenngleich mageres Bäumchen – entstehen kann und auch in einigen Jahren Pflanzen, Gesträuch und Bäume etwa von einer Industriebrache Besitz ergreifen können.

Die Natur lehrt uns auch Geduld, meinte Kuebart. Jeder Baum und jeder Mensch hat seine eigene Geschwindigkeit des Wachsens und um den ihm eigenen Charakter und spezielle Stärken auszubilden. Bäume erneuern sich stetig und trennen sich von abgestorbenen Ästen. Die Natur nimmt, bevor sie gibt, hat ihre Wachstums- und Ruhephase, und wenn die Reifezeit da ist, kann etwa eine starke Eiche über 30 000 Eicheln verschleudern. Bäume sind individuelle Geschöpfe, leben aber auch in der Gemeinschaft, auf die sie in vielfacher Weise auch angewiesen sind.

Bäume und Menschen, Wald und Menschheit sind von schier unfassbarer Vielfalt. Die Beziehungen und Ähnlichkeiten zwischen Baum, Wald und Natur einerseits sowie Menschen andererseits sind erkennbar. Nur, dass der Mensch ohne die Natur nicht auskommen kann, die Natur ohne den Menschen aber sehr wohl. Da war es ganz folgerichtig, dass man sich in Grüppchen mit Reflektionsfragen auseinandersetzte. Kuebarts Devise: Dem Fluss des Lebens vertrauen.

Der Waldspaziergang endete mit einem meditativen Tanz um einen Baum, mit Schrittfolgen, die auf Rückbesinnung, Gegenwartserlebnis und Zukunftssicht sowie „Zusichselbstkommen“ ausgelegt sind. Und als Abschluss durfte natürlich das gemeinsame Grillen unter Bäumen mit Wildschweinwürsten und erfrischendem Getränk nicht fehlen – wobei der „Zauber der Bäume“ im gemeinschaftlichen Gesprächsaustausch irgendwie anregend nachklang. (hs)

Bericht vom Männervesper Extra auf Burg-Schloss-Stettenfels im Juni 2015

Bild: Hans Höschele

 

 

 

Männervesper informierte sich über Stettenfels:

Rundgang mit der Burgherrin Anja Weimar

 

An der Autobahn-Ausfahrt Untergruppenbach grüßt eine Hinweistafel mit der Beschriftung „Stettenfels Burg – Schloss – Park“ und der Stettenfels-Silhouette. Um über diese (über)regionale Attraktion noch mehr zu erfahren, entschied sich das Vorbereitungsteam des „Männervesper“ der Evang. Kirchengemeinde Untergruppenbach zu einem Extratreff bei der Stettenfels und freute sich, dass sich „Burgherrin“ Anja Weimar trotz Hochsaison zu einer Führung bereit erklärte. Die an sich nicht ganz korrekte Bezeichnung Burgherrin ist ihr offensichtlich lieber als Schlossherrin oder Geschäftsführerin der Burg Stettenfels GmbH. Die Anfänge der Burg reichen wohl 1000 Jahre zurück, sie wurde dann insbesondere unter der Herrschaft des Ritters Burkhard von Sturmfeder in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts weiträumig ausgebaut und 1576 von Hans Fugger zu einem Renaissanceschloss umgebaut.Man kann also durchaus von Burg-Schloss Stettenfels sprechen.

Frau Weimar führte die mehr als 40 köpfige Männermannschaft, darunter zwei bewährte Burgführer (Heimatverein-Vorsitzender Friedrich Eisenmann und Burgenkundler-Altmeister Karl-Heinz Dähn), zuerst in den Innenhof. Hier machte Anja Weimar schon deutlich,welche Probleme auf die Familie zukamen, als ihr Vater, der renommierte Fleiner Architekt und Bauunternehmer Roland Weimar, Ende 1994 das Anwesen übernahm. Ungeklärte Erhebungen unter den Fenstern und der wilde Belag im Hof erwiesen sich als Schuttablagerungen, die unter dem Kopfsteinpflaster hervor kamen. Hier mussten erst mal mühsam Leitungen für Heizung, Strom und Telefon gelegt werden, denn anfangs war man hier oben – Weimar: „Es gab ja noch kein Handy“ – auf die öffentliche Fernsprechzelle im Ort angewiesen.

Architekt Weimar hat wohl einige Millionen investiert. Vor allem ging es darum, den zugeschütteten und zugewachsenen Burggraben zugänglich zu machen und die von intensivem Strauch- und Baumbewuchs befallenen und gefährdeten mächtigen Mauern durch Rodung blickfrei zu befreien, so dass sich die Stettenfels heute zu aller Wohlgefallen als optisches Kleinod darstellt. Die Staufermedaille des Landes, die Roland Weimar 2008 wegen des „glücklichen Umstands, die Stettenfels aus dem Dornröschenschlaf erweckt zu haben“ erhielt, war wohlverdient.

Eigentlich hätten die Weimars gerne in dem 4-Hektar-Gelände auf dem ehemaligen Sportplatz ein größeres Hotel („ein kleines wäre nicht rentabel“) etabliert, doch der Landesdenkmalschutz war dagegen, wie er laut Anja Weimar wohl am liebsten die ganze Anlage unter einer Glasglocke gesehen hätte, und sich bei allen Verbesserungsvorhaben sehr regide zeigte. Wegen der vorhandenen Schlosskapelle – sie ist inzwischen restauriert und mit einer Orgel ausgestattet – wurde die Stettenfels alsbald für Hochzeitsfeierlichkeiten angefragt, Und so entwickelte sich die Stettenfels zu einer angesehenen Veranstaltungslokalität mit einem umfangreichen öffentlichen Kulturprogramm bis hin zu Freilichttheater sowie einer ansehnlichen Gastronomie in der einzigartigen Schirmbar und Biergarten mit Selbstbedienung im weitläufigen Park und gepflegtem Garten unter altem Baumbestand – mit den überwältigenden Aussichten auf Dorf, Reben, Wälder, Felder, Berge, Gewerbegebiete und andere Burgen. Und in diesem Sommer noch eine Auswahl moderner Stahl-Skulpturen im Park. Hochbetrieb herrscht rundum und in der Stettenfels vor allem beim Mittelalterlichen Burgfest und beim Adventsmarkt.

Anja Weimar führte „die Männer“ in diverse Räume, Zimmern und Säle, so in den Herzogsaal und den Fuggersaal, mit bestens geeigneten Möglichkeiten zum Festefeiern sowie für Tagungen und Seminare, für die modernstes Equipment bereit steht. Die Besichtigung führte durch enge Gänge und Treppenhäuser auch in eine romantische Halle im Sturmfeder-Turm, wo Anja-Weimar in den Obergeschossen ihre geräumige Familienwohnung hat, und in den restaurierten großen Gewölbekeller, der ehemaligen Kutschengarage.

Unvermeidlich kam auch die Rede auf den Vorbesitzer Dr. Friedrich Spieser. Der 1902 als elsässischer Pastorensohn geborene national-konservative Spieser, verheiratet mit der baltischen Agnes Eleonora Gräfin zu Dohna-Schlobitten, hatte sich vehement für die „Befreiung“ des Elsaß von Frankreich eingesetzt und sich vor dem Krieg mit der Aufbau der Ruine Hünenburg in den Vogesen ein Domizil geschaffen, an das die 1957 erworbene Stettenfels erinnern sollte und er hier „alt“ wirkende innenarchitektonische Elemente und Bilder einbrachte. Ganze Buchpaletten aus seinen Hünenburg-Verlag lagern heute noch in den Burgspeichern.

Alte Untergruppenbacher“ erinnerten sich beim Rundgang an die Spieser-Zeiten mit Jugendcamps, und auch selbst an 1945, als die Stettenfels – die NSDAP wollte daraus eigentlich eine „Ordensburg“ machen – unter amerikanischer Vermögensverwaltung stand und danach als Hilfswerk der evangelischen Kirche fungierte.

 Im Laufe der Führung streute Weimar-Begleiter Peter Nübel an passenden Stellen immer wieder spezielle Überlieferungs-,  Erinnerungs- und gar Gespenster-“Geschichtle“ von der Burg ein. Nübel wohnt seit 2000 mit seiner Frau in dem von den Fuggern geschaffenen Burgneben- bzw. Verwaltungstrakt, der Vogtei oder besser Amtshaus, wo seine ehemals mit den Spiesers befreundete Schwester Wohnrecht bekommen hatte. Wie Nübel zu berichten wusste, wohnte hier auch von 1962 ziemlich zurückgezogen bis zu seinem Tode 1983 der auch mit Spieser bekannte 1892 geborene Maler, Dichter und Naturwissenschaftler Thomas Ring, in der Nazizeit als entarteter Künstler verfemt und in der Zeit danach laut Nübel „der Papst der Astrologen“, der unter anderem ein mehrbändiges Werk über astrologische Menschenkunde hinterließ.

Nach dieser interessanten und informationsreichen Burg- und Schlossführung gab es das eigentliche Männervesper an dem langen steinernen Tisch (mit Anbautischen) neben der Schirmbar mit Nachgesprächen bei labenden Getränken und vorbestellten Gerichten.

Bericht vom Männervesper im Mai 2015

Rückschau Männervesper:  Der verspätete Staat Ukraine

Seit eineinhalb Jahren belastet der Ukraine-Konflikt entscheidend das Verhältnis zwischen dem Westen und Russland, weshalb sich das „Männervesper“ der Kirchengemeinde jetzt diesem Thema angenommen hat. Wie der Untergruppenbacher Studiendirektor i.R. Bernhard Müller darlegte, hatte die Region der heutigen Ukraine – das Wort steht für „Grenzland“ – ihren Eintritt in die europäische Geschichte um das Jahr 1000 mit der „Kiewer Rus“, was allerdings nichts mit Russland zu tun hatte, sondern mit Ablegern der Wikinger, die in die Gegend um den Dnepr vorgedrungen waren.

Nach diesem ersten Territorialgebilde, das auch schon die Einführung des orthodoxen Christentums mit sich brachte, geriet das Gebiet nach vorübergehender osmanisch-tartarischer Herrschaft im 14. bis 17. Jahrhundert größtenteils an das polnisch-litauische Großreich, wobei die katholisch-polnischen Adligen die orthodox gebliebenen leibeigenen Bauen dominierten.  Aufständische und geflohene Bauern verbündeten sich Ausgang des Spätmittelalters mit tartarischen Reiterverbänden, was den ukrainische Kosaken-Mythos schuf und auf der Halbinsel Krim die Tataren-Ansiedlung mit sich brachte. Durch die polnischen Teilungen Ende des 18. Jahrhunderts fiel die Westukraine – Galizien – an das Habsburgische Reich Österreich-Ungarn, und der schon seit 100 Jahren unter russischem Einfluss stehende Osten unter die Oberhoheit des zaristischen Russland. Unter der russischen Oberschicht entstanden große Städte und begann die Industrialisierung.

Zwar gab es 1917 eine Unabhängigkeitserklärung der Ukraine, doch nach dem polnisch-russischen Krieg 1921 fielen die Gebiete Galiziens an Polen, bis sie während des II. Weltkriegs gewaltsam an Russland zurückgegliedert wurden. Müller erinnerte daran, dass die Ukraine besonders stark unter dem Nazi- wie dem Stalin-Terror gelitten hat. Die Sowjetrepublik Ukraine, aus der auch eine Anzahl maßgeblicher Sowjetpolitiker hervorgegangen waren, entstand dann 1991 aus der Konkursmasse der UdSSR als formal selbstständiger Staat.

Wie Bernhard Müller, auch aus eigener Reise-Erfahrung, zu berichten wusste, war die Ukraine  geprägt von der russischen Sprache, auch kulturell, wenngleich nur ein Viertel der Ukrainer russisch-stämmig sind, während Ukrainisch als minderer Bauerndialekt galt. Heute ist Ukrainisch   Nationalsprache. Doch das dürfte laut Müller nicht ausreichen für eine nationale Identität. Die Ukraine sei zerrissen zwischen westlicher Hinwendung und traditionellen russischen Beziehungen. . Aus dem einstmals verhältnismäßig reichen Land sei infolge unfähiger Regierungen, maßloser Korruption und Bereicherung der Oligarchie ein verarmter Staat mit großen sozialen Problemen geworden, was – unterstützt von westlicher Einflussnahme – zu der blutigen Maidan-Revolution geführt habe. Dadurch hätten radikal-nationalistische Strömungen und Abspaltungsbewegungen Auftrieb bekommen.

In der Diskussion war man sich einig, dass die von dem Historiker Müller als „verspäteter Nationalstaat“ bezeichnete Ukraine durch unglückliche Umstände zu einem gefährlichen  Krisenherd im Machtstreben zwischen USA/Europa und Russland geworden ist, aber auch, dass es in Europa Frieden und Sicherheit nicht gegen sondern nur mit Russland geben kann.   (hs)

 

 

Bericht vom Männervesper im Februar 2015

Männervesper thematisiert Gefahren des IS

Im Fokus der Weltöffentlichkeit als terroristische Bedrohung steht das Wüten der IS – Islamischer Staat – im Irak und in Syrien. Anlass für das Männervesper der Kirchengemeinde, sich mit dieser Thematik intensiver zu beschäftigen. Im voll besetzten Nebenzimmer der Gaststätten Stettenfelshalle zeigte der Historiker und Orientalist Matthias Hofmann, der auch Erfahrungen als kulturpolitischer Berater der Bundeswehr in Afghanistan hat, Hintergründe und Auswirkungen in diesem nahöstlichen Bürgerkrieg auf.

Das Vordringen der IS hänge ursächlich damit zusammen, dass sie über eine militärische Organisation verfüge, rekrutiert aus ehemaligen Offizieren der Baath-Partei des früheren Irak-Diktators Saddam Hussein. Hinzu komme, dass von den USA ausgebildete irakische Truppenteile übergelaufen seien und ihr Knowhow in die Bedienung von erbeuteten schweren Waffen eingebracht hätten. Zudem verfüge IS über erhebliche Finanzmittel, die von Zuwendungen u.a. aus Katar und Saudi-Arabien stammen. Außerdem beziehe IS Einnahmen aus eroberten Ölraffinerien, deren Produkte über türkische Kanäle auch in Europa verkauft würden, sowie aus Steuererhebungen in den unterworfenen Gebieten, wo IS staatliche Strukturen für ihr Kalifat aufbaue und ihre Kämpfer vergleichsweise gut bezahle. IS habe in der Region einen machtpolitischen Freiraum gefüllt, der auch durch westliches Versagen entstanden sei. Die USA hätten auf die Verhältnisse im Irak und in Syrien (2002/04 noch nichtständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates) völlig falsch reagiert und mit der Unterstützung von Rebellengruppen letztendlich das Potenzial der IS gestärkt.

Hofmann sieht in IS auch eine terroristisch-dschihadistische Kampfgruppe zur Errichtung eines sunnitischen Machtbogens gegenüber dem schiitischen Iran, der den schiitischen Südosten Iraks bereits als Protektorat betrachte. Die Teilung des Irak in sunnitische, schiitische und kurdischen autonome Gebiete sei nur noch eine Frage der Zeit. Aufgrund der radikalfundamentalistischen wahabitischen Islam-Auslegung des IS seien deren Opfer meistens Muslime, die abweichenden islamischen Strömungen angehören. Gleichzeitig ziele der IS auf die Eliminierung der in der Region lebenden syrisch-orthodoxen Christen, Alewiten, Drusen und Jessiden.

Hofmann warnte davor, die kurdischen Peschmerga weiter mit deutschen Waffen auszustatten, da man nicht kontrollieren könne, wo sie letztlich landeten. Zudem gerate man noch mehr in Kollission mit dem Nato-Partner Türkei, der aus Angst vor einem Erstarken der kurdischen Bevölkerungsminderheit den IS eher unterstütze als bekämpfe. Nach Ansicht Hofmanns sei eine weitere Ausbreitung des IS oder zumindest ihres Gedankengutes in anderen muslimischen Ländern zu befürchten. Terrorgefahr gehe aus von neuen religiösen Milizen und Söldnerbewegungen und bei uns insbesondere von fanatisierten Salafisten, vor allem Konvertiten. (hs)

Bericht vom Männervesper im November 2014

Judentum in Heilbronn einst und jetzt

 

Gerade in der Zeit, als im Gedenken an die Zerstörung der jüdischen Synagoge in Heilbronn in der Reichspogromnacht vor 76 Jahren der Heilbronner Prälat Harald Stumpf „wieder einen sichtbaren Ort für die jüdische Gemeinde“ anregte, widmete sich das „Männervesper“ der Kirchengemeinde dem jüdischen Leben in Heilbronn.

Der sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema beschäftigende Referent, OStR.i.R. Martin Uwe Schmidt, berichtete, dass das Domizil der Heilbronner israelitischen Religionsgemeinschaft an der Allee an Festtagen mit an die 200 Besuchern zwar knüppelvoll wäre. Doch sei die eigentliche jüdische Gemeinde „überschaubar“, bestehe ansonsten vorwiegend aus Kontingentflüchtlingen und Nachkommen aus der früheren Sowjetunion, die meist ihre Mühe mit der deutschen Sprache wie mit jüdischem Glaubensleben haben. Es gebe in Heilbronn auch keinen Rabbi, doch würden die Juden öffentlichkeitswirksam repräsentiert von Avital Toren, einer Heilbronnerin, die den Juden Mosche Toren (1920-2009), sein Grab findet sich auf dem jüdischen Friedhof im Breitenloch, geheiratet hatte.

Seit dem 11.Jahrhundert gab es Juden in Heilbronn, in der damaligen Judengasse, der heutigen Lohtorstraße, erläuterte Schmidt. Im Mittelalter waren die Juden immer wieder von Pogromen und Stadtverboten betroffen. Im Rabbinat Lehrensteinsfeld gab es zeitweise über 1000 „Landjuden“. Als um 1830 im Königreich Württemberg aufgeklärte Verhältnisse einzogen, gestattete auch der Rat der Stadt Heilbronn wohlhabenden Juden den Einzug ins Bürgerrecht. Jüdische Mitbürger – um 1890 rund 1000 – erreichten in der Heilbronner Wirtschaft und Gesellschaft bedeutende Positionen.

Jakob Schloss und Rechtsanwalt Max Rosengart beispielsweise waren 12 bzw. 38 Jahre lang Gemeinderat und zeitweise Stellvertreter von Bürgermeister Hegelmeier. An Unternehmern nannte Schmidt u.a. Magnus Wolf (Landesproduktengeschäft) Hermann Wolf (Wolko-Schuhfabrik) und Julius Victor (Lederfabrik). Die aus Stein am Kocher stammende Familie Gumbel engagierte sich erfolgreich im Bank- und Wechselgeschäft; Abraham Gumbel begründete 1909 den Heilbronner Bankverein, die heutige Volksbank Heilbronn.

Das emanzipierte Judentum in Heilbronn waren durchweg sowohl liberal wie national gesinnt. Am I. Weltkrieg nahmen 128 Frontsoldaten jüdischen Glaubens aus Heilbronn teil, 27 sind gefallen, 48 wurden verwundet und 54 befördert. Doch mit der Machtergreifung Hitlers 1933 wurden die Juden aus dem öffentlichen Leben der Stadt ausgeschaltet. Etwa 600 Heilbronner Juden gelang Flucht und Auswanderung. Aber andere wie Dr. Siegfried Gumbel, der sich u.a. als Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg hervorgetan hatte, und Otto Igersheimer, nach Abraham Gumbels Tod 1930 Bankvereinschef, wurden in KZs ermordet.

Die 1877 eingeweihte Heilbronner Synagoge, die Schmidt in Schautafeln vorstellte, war ein orientalisch anmutendes Monumentalgebäude, das zu den eindrucksvollsten Bauwerken jüdischer Architekturgeschichte zählte und zum 60jährigen Gedenken der Reichskristallnacht eine israelische Sonderbriefmarke schmückte.        (hs)

Masken und Fetische - Bericht vom MV Oktober 2014

Männervesper zum Thema

Naturreligionen in Afrika

 

Im Christentum wie im Islam und insbesondere in den afrikanischen Naturreligionen gibt es einen intensiven Glauben an einen Schöpfergott. Diesen Eindruck vermittelte Fred Mack in seinem Referat über Fetische und Masken bei den Naturreligionen in Afrika beim Männervesper der Kirchengemeinde im Stettenfels-Restaurant. Fred Mack, in Untergruppenbach kein Unbekannter, hat sich als mehrfacher Vereinsgründer hervorgetan; zudem war er auch Gemeinderat. Seit Jugend an mit der Pfadfinderschaft vertraut machte er sich mit 40 Jahren, bis dato Transportversicherungsfachmann bei der WüBa, selbstständig als Outdoor-Ausrüster; das rote „Jurte-Haus“ an der Happenbacher Straße ist in einschlägigen Kreisen sehr bekannt. Mit Pfadfinder-Vereinen – zuerst Bareka, dann Kreuz des Südens – hat  er auf zahlreichen Reisen in Burkina Faso verschiedene Entwicklungsprojekte im Bereich medizinischer sowie wassertechnischer Versorgung durchgeführt und kam dabei hautnah mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt, zudem bei weiteren Reisen in Marokko, Ghana und Uganda. Dabei konnte er eine ganze Anzahl afrikanischer Skulpturen sowie traditioneller Masken und Fetische erstehen, die er zum Teil auch schon mit Sammlungen des Bildhauer-Künstlers Gunther Stilling bei Ausstellungen präsentieren konnte und jetzt in einer Auswahl zusammen mit erklärenden Großfotos beim Männervesper vorführte.

In Westafrika, so der 76jährige Fred Mack, genießen alte Personen Respekt und Verehrung, werden liebevoll umsorgt, gepflegt und „auf die große Reise“ vorbereitet. Bei sakralen rituellen Totenfeiern werden sie wieder der Mutter Erde – der Natur – anvertraut, mit der Maßgabe, als geschätzte Ahnen beim Schöpfergott für das Überleben der Hinterbliebenen und Nachkommen zu vermitteln. Animismus, der Glaube an verschiedene Geistwesen, spiele bei den westafrikanischen Völkern eine große Rolle und werde mitunter auch von getauften Christen – es gibt in den afrikanischen Staaten unzählige christliche Kirchen – noch nebenbei gepflegt. Mack berichtete anschaulich von Sitten und Gebräuchen, Mythen und Riten, Magie und Zeremonien, Festivitäten mit Maskenträgern von Geheimbünden und was es mit priesterlich geweihten Fetischen auf sich hat, die Schutz oder Verderben bringen können, von Talismanen und Amuletten, von Vodoo-Kult und tage- bzw. nächtelangen rituellen Tanz- und Trommelfeiern.

Macks Schlusswort: „Gott hat 1000 Namen, 999 kennt der Mensch, den letzten Namen nur das Kamel, weshalb es so hochnäsig und arrogant durch die Wüste schreitet.“   (hs)

Bericht vom Männervesper spezial im Juni 2014

Männervesper spezial im Wald

 

Eigentlich wollte der Untergruppenbacher Revierförster Jörg Kuebart das diesmal im Wald stattfindende „Männervesper spezial“ der Kirchengemeinde spiritueller gestalten. Doch angesichts des Regenwetters wurde darauf verzichtet, „mein Leben im Spiegel der Natur“ nachzuvollziehen und „den Frühling in mir zu begrüßen“. Bei der Revierführung unter der Thematik „der Wald in seiner Ganzheit“ kam dennoch dessen Schöpfungswunder ausreichend zur Geltung: der Wald als äußerst vielfältiger Lebensraum, als gesundheitsdienlicher Erholungsort und als wertvolle und nachhaltige Nutzungsmöglichkeit.

Den 15 Teilnehmern, die sich auch von Regen und Kühle nicht abhalten ließen, im abendlichen Wald herumzustreifen, wurde wieder einmal nahe gebracht, „wie Bäume eingewoben sind in ein Netz von Beziehungen“, dass an einer Eiche mehrere hundert  Käferarten existieren können und fast jede Baumart von einer speziellen  Borkenkäferart befallen werden kann. In einem Nistkasten wurde die Zweitbrut von Kohlmeisen entdeckt, und beim Blick in einen hohlen Bau bekam man eine Ahnung, wie wichtig Totholz für unzählige Arten von Pilzen, Insekten und Käfern ist.

Förster Kuebart machte deutlich, dass Holz wieder zunehmend begehrt ist. Eine ausgewachsene Eiche kann heute leicht 5000 Euro einbringen, 1500 Euro pro Festmeter. Doch bevor man sich an so kapitale Bäume heranmacht, kommen beim Einschlag erst die „schlechten“ Bäume dran, zumal auch Brennholz verstärkt nachgefragt wird und 40 Prozent des Absatzes ausmacht.

Nachhaltigkeit ist und bleibt in der Forstwirtschaft Trumpf. Deshalb wurde auch die jüngst von dem Donnbonner Künstler Ralph Schukraft geschaffene Holzfigur eines Waldarbeiters besucht und gewürdigt, was Waldarbeiter – heute Forstwirte – beim Pflanzen, Pflegen und Ernten seit Generationen umweltverträglich geleistet haben und noch leisten.

Männervesper-Abschluss war an der Grillstelle bei der Lutz-Sigel-Hütte, wo sich die Waldgänger an auf offenem Feuer gegrillten Wildschwein-Würsten und Getränken labten – wiederum perfekt organisiert von Förster Kuebart.            (hs)

Bericht vom Männervesper im Mai 2014 - Energiewende

 

Männervesper: Energiewende

ist teuer, aber unerlässlich

 

Die mit hohen Erwartungen eingeleitete Energiewende wird heute vielfach kritisch gesehen, weil sie mit steigenden Stromkosten verbunden ist. Ein Grund, sich auch im Rahmen eines Männervespers mit dieser Problematik näher zu befassen – mit dem Ergebnis eines  Rekordbesuchs. Mit Dipl-Ing. Walter Schlenker konnte aus unserer Kirchengemeinde ein Referent gewonnen werden, der sich seit langem beruflich und privat intensiv mit dieser Thematik befasst. Eingangs erläuterte er, wie es überhaupt zur Energiewende kam: Im Jahr 2000 „Atomkonsens“, 2010 „Ausstieg aus dem Ausstieg“, März 2011 nach der  Nuklearkatastrophe von Fukoshima Regierungsbeschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022. Es galt und gilt, die Risiken der Nuklearreaktoren zu minimieren und  mit dem gezielten Ausbau regenerativer Energien unabhängiger zu werden von fossilen Großkraftwerken, um Ressourcen zu schonen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, bevor ein extremer Klimawandel Erde und ins Verderben führt.

In diesem Sinne können wir alle etwas tun, meinte Walter Schlenker und verwies auf private Anstrengungen zur Energieeinsparung mit den Stichworten: Sinnvoller Geräteeinsatz (z.B. Wäschetrockner nur im Notfall), energieeffizientere Haushaltsgeräte, Wärmedämmung, Kraft-Wärme-Kopplung, Nahwärme.

 Durch den Anreiz hoher Vergütungssätze kam es vor allem zu einem rasanten Ausbau der Windenergie und von Photovoltaik, auch mit immer mehr Solardächern bei Privathäusern, wie Schlenker am eigenen Beispiel anschaulich dokumentierte. Mit dem Anstieg der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf inzwischen fast 25 Prozent (und dem weiter vorgesehenen Ausbau auf 35 Prozent bis 2020 und 80 bis 95 Prozent bis2050) hat sich die Strommarktstruktur dermaßen verändert, dass die Strompreise an den Strombörsen sinken und für kleine Betriebe und Privathaushalte steigen.

Aufgrund des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) wurden die Betreiber regenerativer Energienanlagen im vergangenen Jahr mit 25 Milliarden Euro gefördert, wofür die Stromkunden dieses Jahr mit einer EEG-Umlage von 6,24 Cent pro Kilowattstunde (2006 noch 0,78 Cent) belastet werden. Gleichzeitig wurde der garantierte Fördersatz seit 2006 von 52 auf 13 Cent je kWh gesenkt. Schlenker sagte, aber auch, dass die Installationskosten für Photovoltaik-Anlagen in den letzten acht Jahren um zwei Drittel gesunken sind, und er merkte kritisch an, dass 2000 stromintensive Unternehmen von der EEG-Umlage weitgehend befreit sind, was über fünf Milliarden Euro ausmacht.

Schlenker zeigte auch die neuen politischen Zielkorridore für regenerative Energien auf, ebenso die Möglichkeiten von Windanlagen und Solardächern auf öffentlichen Gebäuden in und um Untergruppenbach, wobei die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik stark vom Eigenverbrauchsanteil abhängt. In vielen Fällen sei es empfehlenswert, Betreibern in Form von Bürgergesellschaften – wie etwas EnerGeno in Heilbronn – den Vorzug zu geben. Grundsätzlich stellte Schlenker heraus: „Ein am Bedarf orientierter Ausbau der Stromnetze ist derzeit rentabler als aufwändige Speicheranlagen“ und: „Auch eine scheinbar teure Energiewende kommt uns im Hinblick auf Umwelt und Klimawandel billiger als herkömmliches Energiegebaren“.   (hs)                     

Bericht vom Männervesper im Februar 2014

Männervesper zur Thematik: Wandel im Krankenhauswesen

 

Kann man den Krankenhäusern noch vertrauen? Diese Frage stellt sich so mancher, der nicht unbedingt positive Erfahrungen gemacht hat. Beim „Männervesper“ in der Stettenfels-Gaststätte wollte man diesem Problem mal auf den Grund gehen und hatte dazu mit Klinikdirektor i.R. Dieter Bopp aus Löwenstein einen Experten eingeladen, der auf jahrzehntelange Führungsverantwortung zurückblickt, vor allem in der Klinik Löwenstein, doch war er jahrelang auch mit der Leitung der Klinik Markgröningen sowie der Hohenlohe-Kliniken Öhringen und Künzelsau betraut.

Anschaulich skizziere Bopp den Wandel im Gesundheitswesen. Es sind gerade gut 100 Jahre her, dass es Krankenhäuser gibt – „für Obdachlose wie für den Millionär“. Bopp betonte, dass bei aller berechtigten Kritik deutsche Krankenhäuser im internationalen Vergleich einen hohen Standard verkörpern. 11,3 Prozent der Wirtschaftsleistung fließen in Deutschland ins Gesundheitswesen, allein 65 Milliarden € in den stationären Bereich. 

Die Schwierigkeiten für die Kliniken, deren Zahl sich in den letzten 15 Jahren um 200 auf rund 2000 verringert hat, sieht er u.a. im Krankenhausfinanzierungsgesetz von 1972 begründet, nach dem die Länder für die Investitionsfinanzierung der Kliniken verpflichtet sind. Da das aber längst nicht immer vollumfänglich geschieht, müssen die Krankenhäusern einen Teil de Investitionslast selbst tragen, wobei ihnen nichts anderes übrig bleibt, als Kostenersparnisse im Personalbereich hierfür einzusetzen.

Überhaupt, so Bopp, sind Krankenhäuser unversehens zu Wirtschaftsunternehmen geworden, die betriebswirtschaftlich gemanagt werden. Dazu beigetragen hat auch die Einführung von Fallpauschalen vor gut zehn Jahren, die einen kräftigen Anstieg der Zahl von Operationen und einen Durchbruch der Schlüsselloch-Chirurgie mit sich brachte sowie eine deutlich Reduzierung der Liegezeiten. Dennoch arbeite derzeit jede zweite Klinik mit roten Zahlen und müsse sich neu strukturieren.

Zur Sprache kamen auch interne Probleme der Krankenhäuser, etwa dass infolge einer intensiven Dokumentationspflicht die die Qualität der Patientenbehandlung leidet, aber auch mangelnde Hygiene, dass sich alljährlich zigtausende Patienten und Besucher mit Krankenhauskeimen infizieren.  Bopp zeigte auf, dass der Trend – nach Abschaffung der Polikliniken im Osten – wieder in Richtung Medizinische Versorgungszentren geht und zu einer Verknüpfung von ambulanter und stationäre Behandlung, insbesondere bei der Notfallversorgung.

Bopp teilt die Befürchtung, dass die flächendeckenden Versorgung mit Hausärzten gefährdet ist. Im tätigen Ruhestand ist er dabei, für auslaufende bzw. unbesetzte Arztpraxen in Landgemeinden in der Region „gut deutsch sprechende und fachlich qualifizierte“ Ärzte aus dem Ausland, vor allem aus Rumänien, zu vermitteln.   (hs)

 

... weitere Rückblicke auf Männervesper im Jahre 2012 und 2013 finden Sie unter Rückblick/Rückblick Männervesper