Rückblick Männervesper:
Männervesper: Afghanistan wohin?
5000 km sind es zwischen Berlin und Kabul, doch Welten trennen diese beiden Haupt- und Millionenstädte. Das vor 150 Jahren auf einer historischen Pufferzone zwischen Russland und Britisch-Indien geschaffene Staatsgebilde Afghanistan ist mit westlichen Maßstäben nicht zu begreifen. Dies machte beim Männervesper im Stettenfels-Restaurant der Orientalist Matthias Hofmann deutlich. Als landeskundlicher Berater der Bundeswehr - inzwischen Major der Reserve - war Hofmann insgesamt zwölf Monate in Nordafghanistan, vor allem im Feldlager Feysabad, eingesetzt.
Die Behauptung des früheren Verteidigungsministers Struck, "Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt", wollte Hofmann nicht bestätigen. Der kostspielige Einsatz gegen (ehemals) Al-Kaida-Terroristen habe eher dazu beigetragen, die Herrschaft der Warlords und Drogenbarone zu sichern. Afghanistan habe sich in den letzten Jahren zum mit Abstand weltgrößten Heroin-Exporteur entwickelt. Trotz aller humanitärer Anstrengungen im Verbund mit Hilfsorganisationen würden die als Befreiungs- und Befriedungstruppen angetretenen westlichen Streitkräfte zunehmend als Besatzer empfunden, während die alten und neuen Taliban als Freiheitskämpfer oder Rebellen angesehen würden.
Angesichts der unglücklichen politischen Vergangenheit des Vielvölkerstaates Afghanistan habe sich für die zum Teil sich befeindenden Ethnien die Religion, der Islam, als Konstante erwiesen. Zudem sei den "Afghanen" - Paschtunen, Usbeken, Tadschiken oder Hazaans - allein die Familie Garant für Überleben; ihr sei man in Ehre, Treue und Ansehen verpflichtet. Ansonsten gebe es nur wechselnde Loyalitäten.
Hofmann sieht in Afghanistan keinen schnellen Weg zu einer tragenden Demokratie noch zu einem funktionierenden Zentralstaat. Wichtig sei, den religiösen Schulen ein überzeugendes Bildungswesen gegenüber zu stellen. Die westlichen Truppen stünden auf verlorenem Posten. Es ginge nur noch um einen Abzug möglichst ohne Gesichtsverlust. Bürgerkriegsähnliche Zustände seien in Zukunft in Afghanistan unvermeidlich. hs