Luther-Vortrag von Pfr. i. R. Dr. Th. Steudle

Pfarrer Dr. Steudle erläutert Luthers These

von der „Gemeinschaft der Heiligen“

 

Im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ ist man geneigt zu sagen: „Martin Luther und kein Ende“ – mit Ausrufungs- bzw. Fragezeichen. Der frühere Untergruppenbacher Gemeindepfarrer (von 1980-95), Dr. Theophil Steudle weiß jedoch auch: „Aber uns kann Luther sagen, 'was Kirche sey'“. Dies erläuterte Steudle bei einem gut besuchten Vortrags- und Diskussionsabend im Johannes-Gemeindehaus.

Luther sei eigentlich ein ein ganz normaler Mensch voller Glaube, Angst und Hoffnung gewesen, habe aber theologisch erkannt, wie ein menschliches Leben gelingen kann, es in Verantwortung und Freiheit zu führen, auch im Scheitern und in Verfehlungen, mit Defiziten und Sorgen, erklärte Steudle. Entscheidend für Luther sei – neben den beiden Sakramenten Taufe und Abendmahl – nun einmal das Evangelium, zentral im Wort vom Kreuz, wo Gottes Liebe alle Grenzen überwindet und das Christentum als zutiefst friedliebende Religion ausweist.

Das Wesen der Kirche ist laut Steudle für Luther die Gemeinschaft der Heiligen, dass sich die Gemeinde versammelt, auf Gottes Wort hört und betet: „Gottes Wort kann nicht ohne Gottes Volk sein und Gottes Volk nicht ohne Gottes Wort.“ Das Evangelium brauche im Grunde keine klerikalen Vermittlungsinstanzen – „allein der Glaube, allein die Gnade!“  Die Hierarchie in der Kirche wie auch die Verflechtung von Kirche und Staat tue nicht gut, meinte Steudle und wollte nur bedingt in der Diskussion geäußerte Ansichten gelten lassen, dass in der Kirche Strukturen wichtig seien und gerade die evangelisch-lutherische Kirche seit der Reformation eine Obrigkeitskirche geworden sei.         (hs)